| Interview mit Sekiguchi Komei |
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Musō Jikiden Eishin Ryū Iaijutsu – Sekai Taikai Zur Verfügung gestellt von: Pawel Slawatycki Komei Juku Honbu Czech Republic Heuer findet in Třeboň in Südböhmen ein besonderes Ereignis statt. Vom 23. Juli bis zum 2. August wird unsere Schule ein Seminar im Musō Jikiden Eishin Ryū Iaijutsu abhalten. In diesem Artikel möchten wir unseren Lesern erklären, warum dieses Seminar in Třeboň stattfinden wird und welche Bedeutung es hat. Seminare mit Sekiguchi Sensei, dem 21. Hauptmeister unserer Schule, werden bereits seit mehreren Jahren in der Tschechischen Republik veranstaltet und haben sich immer als sehr intensiv und anstrengend erwiesen. Die so praktizierte Form der direkten Übermittlung unserer Kampfkunst vom Meister an seine Schüler hat für uns überragende Bedeutung. Das für dieses Jahr geplante Seminar weist jedoch eine Besonderheit auf. Der Name des Seminars, „Sekai Taikai“, spiegelt nämlich seine Einzigartigkeit wider. „Sekai“ bedeutet „Welt“ und „Taikai“ bedeutet „Lehrgang“ - zusammen daher „Weltlehrgang“. Seminare von solcher Bedeutung werden nur in besonderen Fällen veranstaltet. Das erste Sekai Taikai fand im Jahr 2006 in Japan statt und dauerte rund zwei Wochen. Dieses Jahr findet daher das zweite Sekai Taikai in der Geschichte unserer Schule und das erste außerhalb von Japan statt. Die Bedeutung dieser Veranstaltung wird durch den Umstand verdeutlicht, dass der Japanische Botschafter in der Tschechischen Republik, Herr Tsukamoto Kohei, die Schirmherrschaft über das zweite Sekai Taikai übernommen hat. Herr Tsukamoto ist auch der Vorsitzende des Zentrums für Information und Kultur der Japanischen Botschaft in der Tschechischen Republik. Es ist wahrhaftig eine Ehre für Komei-Juku-Tschechien, Veranstalter dieses Seminars sein zu dürfen und dass Sekiguchi Sensei unserem Shibuchō Pawel Slawatycki die Organisation dieses besonderen Seminars übertragen hat. Wir sind stolz, dass die Tschechischen Republik auserwählt wurde, das Gastgeberland des zweiten Sekai Taikai zu sein. Auszug aus einem Brief von Sekiguchi Sensei: Ziel von Sekai Taikai ist es, weltweite Freundschaft und Respekt durch die Technik und den Geist des Budo zu schaffen. Ich empfehle Pawel Shibuchō als Organisator und die Tschechische Republik als Veranstaltungsort für das zweite Sekai Taikai. Ein glücklicher Tag im Mai des 19. Jahres Heisei (2007) Komei Juku Jukuchō Sekiguchi Komei
Dieser Brief wurde von Sekiguchi Sensei während seines Aufenthalts in der Tschechischen Republik im Jahr 2007 geschrieben und übergeben. Damit begannen die Vorbereitungen für diesen Weltlehrgang. Der Grundgedanke dieses Seminars ist sehr einfach - wir werden intensiv unter der direkten Anleitung des Hauptmeisters unserer Schule üben und die gesamten 10 Tage miteinander verbringen. Das Training wird in der Sporthalle von Třeboň stattfinden. Alle Teilnehmer werden auch in Třeboň untergebracht sein. Natürlich ist das Training der Hauptzweck des Seminars - acht Stunden sind der täglichen Übung gewidmet. Darüber hinaus werden wir auch gemeinsam essen, damit wir genügend Zeit für Unterhaltungen haben und uns so untereinander austauschen können. Neben Sekiguchi Sensei, unserem Hauptmeister, wird mit Fujii Katsuko Sensei eine Frau teilnehmen, die unseren Stil länger als alle anderen Mitglieder unserer Schule praktiziert. Fujii Katsuko Sensei hat sogar vor Sekiguchi Sensei mit dem Training in unserer Schule begonnen, damals noch unter der Leitung des 20. Sōke Onoe Masamitsu Sensei. Obwohl sie schon älter ist, übt und unterrichtet sie nach wie vor täglich. Eine weitere Teilnehmerin ist Noguchi Sensei, die uns immer mit ihrer Erfahrung im Speerkampf (Übung mit dem Yari) beeindruckt. Selbstverständlich wird Shimizu Sensei anwesend sein, die Ryōen Ryū Naginatajutsu unterrichtet. Obiki Ritsuko Sensei, Nachfolgerin ihres Vaters als erfolgreiche Leiterin des Renshinkan Kendō Dōjō in Hasuda, Saitama, wird ebenfalls anreisen. Weiters nimmt auch Suzuki Sensei teil, der (soweit uns bekannt) einzige Japaner, der sein Schwert an der rechten Seite trägt und es mit der linken Hand zieht. Nicht zu vergessen schließlich Kojima Sensei, die das Komei-Juku-Dojo in Chiba, außerhalb von Tokyo, leitet. Wir haben Sekiguchi Sensei selbst gefragt - was bedeutet Sekai Taikai und was bedeutet es für unsere Schule?
Das Interview (Fragen und Übersetzung) führte Amelie San. 1. Sensei, was ist das Sekai Taikai? Sekai Taikai ist ein Treffen, bei dem Menschen aus aller Welt zusammenkommen, um die Kampfkunst der Samurai, das Tosa Iai des Musō Jikiden Eishin Ryū Iaijutsu zu üben und um beim Training und den Vorführungen (Embu) zu einer Familie zusammenzuwachsen. Es ist die Zusammenkunft von Menschen, welche die Gesinnung der Samurai in sich tragen, die sich zur Idee des Isshin (ein Herz/mit ganzem Herzen) und zu einem selbstlosen Budo-Geist bekennen. Solche Menschen respektieren die Welt und ihre Mitmenschen und wollen sich daran beteiligen, die Entwicklung von Weltfrieden, Wohlstand und Kultur zu fördern. Sie verspüren den Wunsch, durch ihre persönliche Entwicklung ein Vorbild für andere zu werden. Es ist auch ein Zusammentreffen des Clans, der Familie. Die Komei-Juku-Familie ist über die ganze Welt verstreut. 2. Wann fand das erste Sekai Taikai des Musō Jikiden Eishin Ryū Iaijutsu statt? Dieses Sekai Taikai in der Tschechischen Republik ist das zweite Sekai Taikai. Das erste fand im Jahr 2006 in Japan in dem zum Nippon Budokan gehörenden Kampfkunstzentrum statt. Dieses Zentrum befindet sich in der Stadt Katsuura in der Präfektur Chiba. Komei-Juku-Mitglieder aus vielen Ländern haben an der Veranstaltung teilgenommen und zahlreiche Hindernisse bewältigt, um diese Idee zu verwirklichen. 3. Organisierte der 20. Hauptmeister Onoe Masamitsu Sensei auch Seminare wie dieses Sekai Taikai? Am ersten Sekai Taikai, welches in Japan durchgeführt wurde, hat Sōke Onoe Masamitsu Sensei nicht mehr teilnehmen können, da dieses Ereignis erst nach seinem Tod stattfand. In meiner Funktion als Nachfolger von Onoe Masamitsu Sensei und damit als 21. Hauptmeister habe ich dieses Seminar organisiert, um Samurai aus der ganzen Welt zusammenzuführen. Da unsere Schule die Lehren der Vorfahren ehrt, ist der 20. Hauptmeister Onoe Masamitsu Sensei immer bei uns. Auch wenn wir ihn mit unseren Augen nicht sehen, können wir seine Anwesenheit in unseren Herzen spüren und wahrnehmen, dass er uns beobachtet, wann immer wir Iai praktizieren. 4. Was ist der Unterschied zwischen den üblichen Kursen und dem Sekai Taikai? Menschen verschiedener Länder und Nationalitäten, verschiedener Kulturen und Geisteshaltungen und unterschiedlichen Lebensalters, Menschen die unterschiedlich erzogen wurden, sie alle treffen an einem Ort zusammen um miteinander den Weg zu ihrem gemeinsamen Ziel zu beschreiten, um zusammen im Geist der Kultur der Samurai zu üben und um deren Werte im gemeinsamen Training zu erfahren. Die Teilnehmer versuchen durchzuhalten und teilen das Leiden auf diesem Weg ebenso wie am Ende die Freude. Genau in dem Moment, wenn sie alles Leiden ertragen haben, vereinigen sie sich und werden alle zu einer echten Familie. Das zeichnet unsere Seminare aus. Taikai stellt die Fortsetzung dieser Seminare dar, wo sich Menschen aus unserer Familie treffen, um gemeinsam zu lernen und um sich gegenseitig Ehre zu erweisen. Sekai Taikai ist somit ein echtes Fest der Kampfkunst. Zugleich ist es auch die Einführung und Vorbereitung für eine Vorführung (Embu) dieser Kunst. Es ist kein Wettkampf, wo sich der Bessere und Stärkere mit dem Schwächeren und Unterlegeneren misst. Taikai als eine große Versammlung und Vorführung dient dem Ziel, miteinander zu üben, respektvoll auf den anderen zu achten und von allen Teilnehmern zu lernen, letztendlich um sich selbst besser zu verstehen und zu würdigen. Es kann als Beweis dafür gelten, dass es auch in unsere Zeit möglich ist, zu einer einzigen Familie zusammen zu wachsen. 5. Jukuchō, warum haben Sie sich dafür entschieden, dieses Sekai Taikai in der Tschechischen Republik abzuhalten? Die Tschechische Republik ist ein wunderschönes Land. Es gibt wunderbare ländliche Gegenden und wunderbare Menschen. Dies ist aber nicht der einzige Grund für meine Entscheidung. Der Tschechische Shibuchō Pawel Slawatycki ist derjenige unter all meinen weltweiten Schülern, der über Kampfkünste nachdenkt, die Idee des Bushido versteht, seinen Körper und Willen hart trainiert, seinen Egoismus überwunden hat und sich für die Weitergabe von Iai an andere Menschen einsetzt. Ich habe seine Hingabe erkannt und so wurde er zu meinem rechten Arm. Dies ist der Grund warum ich ihn auswählt habe und obwohl er noch sehr jung ist, habe ich mich dazu entschieden, ihm zu vertrauen und ihn mit der Organisation und Leitung des zweiten Sekai Taikai zu beauftragen. Ich hoffe, Shibuchō Pawel wird sich als derjenige aus unserer Tschechischen Familie erweisen, auf den die gesamte Welt stolz sein kann. 6. Was erwarten Sie vom zweiten Sekai Taikai? Die Dinge, die ich mir vom zweiten Sekai Taikai erwarte, sind nicht materieller Natur. Die Organisation eines Taikai ist keine einfache Aufgabe. Aber wenn alle zusammenhelfen, werden wir es schaffen. Sekai Taikai ist keine Veranstaltung von ausgewählten Personen, die unter speziellen Umständen stattfindet. Vielmehr wird es von ganz gewöhnlichen Menschen getragen, die weder berühmt sind, noch in irgendeiner Weise herausragend, ja eigentlich sogar von jenen, die besitzlos sind. Der Weg des Kriegers liegt im Sterben. Diese Worte schrieb Yamamoto Tsunetomo in seinem Buch Hagakure (zwischen 1700 und 1716). Wenn wir die Schwierigkeiten überwinden, die uns hindern, uns unseres Todes bewusst zu sein, dann werfen wir alle Sorgen von uns und werden so befähigt, unsere Aufgaben zu erfüllen. In Wahrheit befinden sich in diesen Worten zwei Bedeutungen, aber für den Krieger ist es ausreichend, zu tun, was auch immer er gesagt hat. Ein Samurai kennt weder Doppelzüngigkeit, noch Falschheit oder Heuchelei. Der Erfolg eines Sekai Taikai ist nicht wichtig. Vielmehr ist es wichtig, dass wir die Dinge mit Ernsthaftigkeit betrachten und ihnen mit Ernsthaftigkeit gegenüber treten. Shibuchō Pawel hat sein Herz mit Liebe angefüllt und diese Quelle an Energie wird ihm helfen, dieses großartige Projekt zu realisieren. Dies wird wiederum dazu führen, Menschen verschiedener Länder zu vereinen. Ein Sekai Taikai ist eine große Aufgabe, die mit großer Verantwortung einhergeht. Wenn ein guter Zugang zu dieser Aufgabe gefunden wird und sich dies mit Pawels Fähigkeit, die Dinge behutsam und in Liebe auszuführen, vereinigt, dann kann es als ein gutes Beispiel für alle kommenden Generationen von Samurai dienen. Shibuchō Pawel schreibt Geschichte, zugleich denkt er auch an die Zukunft. Er wird jener werden, der die Menschen auf dem Weg des Samurai leiten wird. Dies ist jedenfalls meine Erwartung. 7. Wird diese Idee in der Zukunft weitergeführt werden, wird es weitere solche Treffen geben? Natürlich wird es auch ein drittes Sekai Taikai geben. Ich werde weitermachen, solange es Mitglieder unseres Clans auf der Erde gibt. Man kann es mit einem blühenden Baum vergleichen. Jedes Jahr sammeln Blumen und Bäume alle ihre Energie zusammen, um wunderschöne Blüten zu erschaffen, die unsere Sinne erfreuen. Aber wer weiß ob die Blumen des vorigen Jahres auch heuer wieder blühen werden? Und selbst wenn sie die gleiche Form, Farbe und den gleichen Geruch haben, werden sie nicht dieselben sein, wie im Jahr zuvor. Zumindest das Wetter und die klimatischen Bedingungen werden sich verändern und die Pflanzen werden sich an die neuen Gegebenheiten anpassen müssen, um wieder schöne Blüten hervorbringen zu können. Die Blumen und Bäume sind lebendig, also werden sie, wenn sie im vergangenen Jahr geblüht haben, auch im kommenden Jahr blühen und uns mit einer prächtigen Vorstellung erfreuen. Ich glaube ein Baum lebt in dem Gedanken, dass wenn er im heurigen Jahr sehr schön blüht, er im darauf folgenden Jahr noch prächtigere Blüten haben wird. Wenn also unser Familientreffen, das zweite Sekai Taikai, zu einer wunderschönen Blüte in unserer Geschichte wird, werden wir unser Bestes geben, um die noch ungeschriebenen Blätter unserer Geschichte mit noch prächtigeren Blüten zu schmücken. Unsere weltweite Familie wird sich in umfassender Harmonie vereinigen und durch Iaido Seminare und Sekai-Taikai-Zusammenkünfte werden wir unsere Kultur erhalten, die durch unsere gemeinsamen Bemühungen weiter gedeihen wird. Ich plane, das dritte Sekai Taikai in Südamerika (Argentinen, Venezuela, Cuba) durchzuführen. Aufgenommen in Texas, USA, am 19.2.2009 Komei Juku Japan, Jukuchō, Sekiguchi Takaaki Übersetzung: Martin Plunger, Michael Vollkron (Seishukai) |



